Leutschach 2002. Alarmiert von einem vagen Funkspruch, halten zwei Gendarmen Nachschau in einem Supermarkt. Als die beiden parallel durch zwei Gänge gehen, fällt ein Schuss.
Leutschach 2002. Alarmiert von einem vagen Funkspruch, halten zwei Gendarmen Nachschau in einem Supermarkt. Als die beiden parallel durch zwei Gänge gehen, fällt ein Schuss.
Die besprochenen anderen Folgen über Morde an Gendarmen:
Vom Betrugsverdacht zum Doppelmord (S2E13)
15 Schüsse in Bad Aussee: Die Wunden spürt man bis heute (S10E5)
Hier findet ihr Informationen zum Buch "Gendarmenmorde in der Steiermark seit 1880" von Hans Breitegger.
David Knes:
Leutschach 2002. Alarmiert von einem vagen Funkspruch halten zwei Gendarmen Nachschau in einem Supermarkt. Als die beiden parallel durch die Gänge gehen, fällt ein Schuss. Herzlich willkommen bei Delikt, dem Kriminalpodcast der Kleinen Zeitung mit Fällen aus der Steiermark und aus Kärnten. Mein Name ist David Knes, ich bin der Host des Podcasts und ich freue mich heute wieder, ihr kennt ihn schon alle, wenn ihr Delikt schon ein paar Mal gehört habt, zu begrüßen den langjährigen Kriminalreporter der Kleinen Zeitung Hans Breitegger. Schön, dass du da bist.
Hans Breitegger:
Danke, hallo.
David Knes:
Ja, und was ihr jetzt nicht seht, was Hans und auch ich gerade in Händen halten, das ist ein Buch und zwar ein neues Buch von dir, Hans. Du hast das vor Kurzem herausgebracht, Gendarmenmorde in der Steiermark seit 1880. Wie lange hast du an diesem Projekt gearbeitet und wie bist du überhaupt auf diese Idee gekommen?
Hans Breitegger:
Ich habe lange, jahrelang an diesem Projekt gearbeitet, nur ich habe es nie realisiert. Begonnen hat alles damit so in etwa 2003 bis 2007. Da hat die Gendarmerie bis 2005 eigentlich, dann ist ja die Gendarmerie mit der Polizei zusammengelegt worden. Aber noch in Zeiten der Gendarmerie sind die Gedenkstätten renoviert worden. Es gibt ja sehr viele Gedenkstätten, Kreuze oder Steine mit Inschriften an Tatorten, wo halt Gendarmen ermordet worden sind. Und ich habe darüber schon damals geschrieben. Da ist die Idee geboren, da könnte man ein Buch machen. Allerdings, ich habe ungefähr sechs, sieben Fälle gekannt. Zwei Fälle, da war ich als Kriminalreporter sogar Berichterstatter vor Ort. Das war der Gendarm in Martin Kindberg und der Posttransportüberfall in Bad Aussee, war auch ein Gendarm erschossen worden. Wir haben beide schon in Delikt gesprochen, das verlinke ich in den Shownotes. Wollte ich gerade sagen. Und ich habe mir gedacht, das schaffe ich, das mache ich. Dann habe ich die Cold Case Bücher geschrieben, habe wieder keine Zeit gehabt und irgendwann dann, schon in der Pension, habe mir gedacht, jetzt gehe ich die Gendarmenmorde an. Und ich habe das in meinem Kopf abgespeichert und bin dann einmal zum Robert Pontesegger gegangen, das ist der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit in der Polizeidirektion. Und der hat mir eine Liste gegeben von ermordeten Gendarmen.
David Knes:
Eine vollständige?
Hans Breitegger:
Naja, ganz vollständig ist sie deshalb nicht, weil man nicht die einzelnen Todesfälle während des Zweiten Weltkrieges nachvollziehen kann. Im Ersten Weltkrieg, da scheint nicht viel auf. Aber ein paar Sachen gibt es, die habe ich auch mit hineingenommen. Ja, jedenfalls habe ich mir diese Liste geholt, die anhand eines Gedenksteines, der in der Polizeidirektion steht, die im Zuge dieses oder aufgrund der Inschriften oder der Namen auf diesen Stein erstellt worden ist. Und da habe ich festgestellt, dass es wesentlich mehr gibt.
David Knes:
Wie viele Fälle sind das jetzt, die du im Buch beschreibst?
Hans Breitegger:
Die Fälle sind, glaube ich, ungefähr 25, aber es betrifft wesentlich mehr Gendarmen, weil ich habe einige aus dem Zweiten Weltkrieg oder während des Februaraufstandes 34 und was um reine Mordgeschichten geht, nicht um Schießereien im Zuge der Gefechte, sondern um Mordgeschichten. Und des Juli-Putsches im 34er-Jahr, da habe ich natürlich mehrere in einem Kapitel zusammengefasst und drei oder vier Gendarmenmorde als Beispiel genommen und die anderen habe ich namentlich erwähnt. Es dürften um die 40 sein, circa, Gendarmen. Der erste Fall hat sich ereignet im Jahr 1880.
David Knes:
Ja, die Gendarmerie ist ja gegründet worden, nur kurz, 1849, das heißt, da ist das Gesetz geschaffen worden, da ist erstmals ein geordneter Sicherheitsapparat ins Leben gerufen worden vom Kaiser und 1850 im Sommer sind die ersten Gendarmerieposten in Betrieb gegangen. Und 30 Jahre später gab es dann den ersten Mord an einem Gendarmen.
Hans Breitegger:
Den ersten Mord, der zumindest, vielleicht hat es vorher einen gegeben, aber es ist nichts Aktenkundiges. Der erste, der aufscheint als Gendarmenmord in der Steiermark, ist eben der 1880 in der Stubenbergklamm.
David Knes:
Ja, und zwei Jüngere, die sich während deiner Karriere bereits zugetragen haben, hast du jetzt schon erwähnt. Und der allerletzte Mord an einem Gendarmen, der hat sich ereignet im Jahr 2002. Und über diesen Fall werden wir heute sprechen. Was ist damals passiert? Im Buch heißt das Kapitel Tod im Kaufhaus. Was war damals los im Jahr 2002?
Hans Breitegger:
Das war der 22. Juli 2002, am frühen Nachmittag. Da ging bei der Gendarmerie in Leutschach ein Funkspruch ein, in dem den Gendarmen von der Zentrale mitgeteilt worden ist. Das war der Reinhard Bierbauer, 41 Jahre alt, damals Bezirksinspektor, und der Revierinspektor Albert Strohmeier, 47 Jahre alt. Die beiden waren anwesend. Dort hat es geheißen, möglicherweise wurde im Supermarkt in Schlossberg, das direkt an der Grenze zum Ortsgebiet Leutschach, aber damals eigene Gemeinde, möglicherweise wurde da geschossen. Und ich habe jetzt da im Zuge meiner Recherchen, ich war damals am Rande auch befasst mit dem Fall, aber vor allem jetzt im Zuge meiner Recherchen mit dem Reinhard Bierbauer gesprochen, der hat mir das sehr eingehend geschildert. Also der Funkspruch war einmal sehr vage, man hat nicht gewusst, ist wirklich was passiert, überhaupt was passiert, was ist passiert. Die sind ohne Blaulicht vorgefahren, waren aber zwei Minuten später schon am Tatort. Allerdings sind sie nicht gleich stehen geblieben und in den Supermarkt hinein, sondern sie wollten einmal erkunden, ob da wirklich was ist und haben eine kleine Schleife gezogen. Und dann sind sie hinein, haben sie einmal Leute gefragt, die herausgestanden sind, hat niemand was gehört und gesehen. Dann sind sie hinein, haben ein paar Kunden befragt, die haben auch nichts mitgekriegt, dass da was passiert ist. Kurz darauf ist dann der Gatte der Filialleiterin ihnen entgegengekommen und hat gesagt, bei der Feinkost vorne liegt eine Frau tot im Blut. Daraufhin sagt der Albert Strohmeier zu seinen Kollegen, da brauchen wir die Schusswesten. Und der Bierbauer ist hinausgegangen zum Streifen und hat die Schusswesten geholt, die haben sie sich drüber gezogen und dann haben sie sich vorgetastet. Es hat jetzt zwei Gänge gegeben, lange. Einen hat der Bierbauer gesichert, den zweiten der Strohmeier. Und dann ging es blitzschnell. Der Reinhard Bierbauer hat mir erzählt, er hat dann einen gewaltigen Schuss gehört. Er hat gewusst, das ist keine Dienstpistole, sondern das ist ein Revolverschuss. Er hat den lauten Schuss gehört, hat gleichzeitig mit dem Handy mit einem Mann im Bezirkskommando telefoniert, mit seinem Vorgesetzten. Und er sagt, er hat nur diesen einen Schuss gehört. Der Bezirkskommandant hat aber im Zuge des Gespräches noch einen zweiten Schuss gehört.
David Knes:
Übers Telefon.
Hans Breitegger:
Übers Telefon, den der Reinhard Bierbauer gar nie wahrgenommen hat. Und das war der Schuss, der Warnschuss, den der Albert Strohmeier noch abgegeben hat. Was ist passiert? Der Täter wollte flüchten, ist dem Gendarmeriebeamten entgegengekommen und der Albert Strohmeier war ein sehr gewissenhafter Beamter und wollte nach Vorschrift vorgehen. Er wollte nicht gleich schießen offensichtlich, sondern hat in die Luft geschossen. Und das hat der Täter genutzt und hat ihn direkt in den Kopf geschossen.
David Knes:
Also die beiden Beamten, Albert Strohmeier und Reinhard Bierbauer, die gehen da quasi parallel, so stelle ich mir das jetzt vor, diese Supermarktgänge hinunter. Aber es war kein Sichtkontakt zwischen ihnen beiden.
Hans Breitegger:
Und es war kein Sichtkontakt zwischen ihnen beiden und man ging davon aus, dass der noch drinnen ist, das heißt, das war da quasi eine 50-50-Chance, wie dem jetzt begegnen. Man hat nicht einmal gewusst, was ist passiert, man hat nur gewusst, da liegt eine Frau vorne, aber dass ein Schuss gefallen ist, hat ihnen keiner gesagt, dass der erschossen worden ist. Die beiden Gendarmen, das muss man noch sagen, haben ja die Waffen gezogen, wie sie gehört haben, da liegt eine vorne, eine Frau, haben sie Schusswaffen angezogen, Dienstwaffen gezogen und sind beide vorsichtig vor. Und dann kommt der Täter dem Albert Strohmeier entgegen, der flüchtet mit Waffe in der Hand und Strohmeier schießt nicht gleich, sondern gibt einen Warnschuss ab. Er wollte nicht gleich erschießen und das nutzt er und schießt den Strohmeier in den Kopf.
David Knes:
Er war wahrscheinlich sofort tot.
Hans Breitegger:
Der war sofort tot, wobei der Reinhard Bierbauer das nicht mitgekriegt hat, der hat nur den Schuss gehört. Und dann hat er gesagt, jetzt habe ich gewusst, es ist irgendwas passiert. Er hat geschrien, Albert, alles okay und hat keine Antwort gekriegt. Er hat gesagt, für mich gab es zwei Möglichkeiten. Entweder der Albert ist getroffen und kann nicht mehr sprechen, oder der Albert kann aus taktischen Gründen nicht antworten. Sprich, er will nicht, dass man hört, wo er sich befindet. Und so hat sich der Bierbauer dann weiter vorgetastet und plötzlich sagt er, hinter einem Stapel Getränke taucht eine Hand mit einem Revolver auf und dann der Kopf und dann hat er 14 Schuss abgefeuert, einfach in diese Paletten hinein, in diese Stapel und dann ist wieder ein Schuss gefallen. Also auf gut Glück in Richtung des Schützen gezielt, 14 Mal abgedrückt, aber er hat ihn nicht getroffen. Er hat nicht gezielt, er hat geschossen und hat auch nicht getroffen. Und dann ist wieder ein Schuss gefallen aus einem Revolver und dann ist er vorgerobbt, hat er mir erzählt und hat gesehen in dem Quergang, dass der Täter da liegt, die Pistole noch in der Hand hat und sagt, da hat er ihm liegend die Pistole aus der Hand getreten und hat alles gesichert, wie es halt gehört. Und der Täter hat sich in den Kopf geschossen, das war der Schuss, den er gehört hat dann.
David Knes:
Also ein Suizid dann?
Hans Breitegger:
Nein, es war kein Suizid. Er hat überlebt. Er wollte das Selbstmord begehen und trotz Kopfschuss hat er halt überlebt. Wie ging es denn weiter? Natürlich ist Großalarm ausgelöst worden. Es ist Rettungs- und Notarzt gekommen. Für den Albert Strohmeier war alles zu spät. Der war tot. Der Täter ist ins Krankenhaus gekommen. Dann haben die Ermittlungen eingesetzt. Die Tote war bei der Feinkost. Das hat man relativ schnell, das hat man sofort eigentlich, die Verkäufer haben das sofort gewusst, war die Gattin des Täters. Da gibt es ein Detail, die haben ja den Mann gekannt. Die Belegschaft im Supermarkt. Die Belegschaft hat den Mann gekannt und hat gesehen, wie der aufs Kaufhaus zugekommen ist und haben ihn beim Nebeneingang oder beim Hintereingang hereingelassen. Und dann ist er hin, hat seine Frau an den Haaren gepackt, die Belegschaft wusste ja nicht, dass eine Gewalttat bevorsteht. Er war unbescholten, er war jetzt nicht als problematisch bekannt. Er ist nicht aufgefallen, der Mann. Hat sie bei den Haaren gepackt und hat gesagt, so und jetzt habe ich dich, du Schwein da oder so ähnlich, haben sie mir es erzählt und hat gleich geschossen. Ich glaube, du hast dann geschrieben im Buch von einer regelrechten Hinrichtung dieser Frau. Das hat der Staatsanwalt dann bei der Hauptverhandlung so bezeichnet. Die Frau hat natürlich keine Chance gehabt und das Motiv war dann auch klar, relativ schnell. Er hat an dem Tag den Brief vom Rechtsanwalt bekommen, wo drin gestanden ist, dass er sich scheiden lassen möchte. Das war für ihn ausreichend, dass er diese Tat begeht. Das ist im Großen und Ganzen jetzt einmal der Ablauf, der Dramatische im Kaufhaus aufgrund der Rekonstruktion, die aufgrund von Zeugenaussagen dann durchgeführt worden ist.
David Knes:
Welche Konsequenzen eine solche Tat hat, das beschreibst du auch im Buch. Zum einen, nämlich psychologisch, darauf kommen wir vielleicht dann am Ende noch kurz zu sprechen, aber auch unmittelbar für die Familie. Er war ja der getötete Beamte Albert Strohmeier, der war ja Familienvater. Ich glaube, seine Kinder waren acht und zehn Jahre alt erst und hatte natürlich auch eine Frau. Wie war das für Sie damals?
Hans Breitegger:
Ja, das war furchtbar. Die Kinder waren, wie gesagt, im Schulalter und die Frau Strohmeier, ich kenne sie und war auch bei ihr im Zuge der Recherchen, ich kenne sie aber von früher, und die hat mir erzählt, am nächsten Tag hätte der Albert frei gehabt und sie wollten mit ihren Buben wandern gehen. Es waren ja Ferien und die wollten wandern gehen, noch ein paar Tage mit den Kindern und sie ist noch eine Jause einkaufen gegangen oder gefahren. Und sie wohnt außerhalb von Leutschach, zwischen Leibnitz und Leutschach und fährt nach Hause und hört in den steirischen Nachrichten von der Tragödie. Da ist gesagt worden, dass in einem Supermarkt eine Frau und ein Polizist oder ein Gendarm erschossen worden ist. Damals war es ja noch Gendarmerie. Sie gibt dann Gas, Handy hat es keines gehabt und beeilt sich, dass sie nach Hause kommt, um den Posten anzurufen. Sie wollte den Posten nachfragen, weil sie ja gewusst hat, ihr Mann hat Dienst, nicht? Und so viele Gendarmen waren ja damals nicht am Posten im Dienst. Und wie sie aussteigen will daheim vorm Haus, sieht sie, wie hinter ihr ein Streifenwagen abbiegt und dass der Postenkommandant ist. Und dann sagt sie, habe ich gewusst, was los ist, dass der Albert erschossen worden ist. Das hat sie dann sofort geahnt und das hat sie dann ja bestätigt. Und dann hat natürlich für sie einen Leidensweg eingesetzt, logisch, dem Haus gebaut, die haben zwei Kinder gehabt, das Haus war, glaube ich, gar nicht ganz fertig. Und es hat halt an allem gefehlt. Sie hat allein müssen für die beiden Buben sorgen. Sie ist dann zwar unterstützt worden, hat dann vom Innenministerium Geld gekriegt und da ist wieder dem damaligen Innenminister Strasser ein wesentlicher Fehler passiert. Er hat die genaue Summe den Medien genannt und die Medien haben darüber geschrieben, wie viel Entschädigung sie vom Innenministerium kriegt. Und das hat dazu geführt, dass Neider auf den Plan getreten sind und sie geächtet haben, beschimpft haben. Sie hat gesagt, das war eine schlimme Zeit. Wenn das zusätzlich zum Schock und der Trauer dazukommt. Das sind so Äußerungen wie, der geht es jetzt viel besser als früher und die braucht ja gar nicht die traurige Witwe spielen. Und sie ist dann hinausgefahren nach Wien und hat dann den Minister damit konfrontiert. Und sie hat gesagt, er hat sich dann bei ihr entschuldigt. Das ist auch interessant zu sehen, weil so eine Äußerung über ein Detail, die in diesem Fall einfach auch nicht notwendig gewesen wäre, dann anrichten kann.
David Knes:
Ja, das stelle ich mir vor, dass der Minister das nicht böse gemeint hat, sondern einfach sagen wollte, dass die Republik der Dienstgeber für die Bediensteten, die ums Leben kommen, was tun. Das war eigentlich, glaube ich, der Beweggrund. Aber man sieht halt, was mich mehr schockiert hat, als die Aussage vom Minister mehr schockiert hat mit der Neid, der dann rundherum entstanden ist und mir ist ja das Geld einfach richtig neidig gewesen. Und sie sagt aber, es hat eh nicht ausgereicht für die Ausbildung der beiden Buben. Der eine ist jetzt irgendein Abteilungsleiter im IT-Bereich, glaube ich, und der zweite ist bei der Autobahnpolizei. Also der Familie geht es inzwischen, du hast mit ihnen gesprochen, ihnen geht es heute so weit gut? Sie hat mir erzählt, dir geht es gut und sie geht davon aus, mit den zwei Söhnen habe ich keinen Kontakt gehabt, aber sie sagt, es geht allen gut. Und sie hat sich halt immer zum Ziel gesetzt, es muss weitergehen. Sie hat zwei Kinder und sie muss das schaffen. Und es ist ihr halt gelungen dann mit viel Unterstützung. Sie hat natürlich auch Unterstützung aus der Bevölkerung gehabt. Es waren ja nicht alle ihr alles zu neidig, was sie gekriegt hat. Ebenfalls gesprochen, das hast du schon gesagt, hast du mit Strohmeiers Kollegen von damals Reinhard Bierbauer, der diese Situation aus nächster Nähe miterlebt hat. Und ja, wir haben jetzt schon gesagt, dass wir noch kurz darüber sprechen werden, wie es ihm denn über die Jahre dann mit diesem Fall oder der Erinnerung oder auch mit diesem Schock und diesem Trauma danach ergangen ist. Erzähl bitte was darüber.
Hans Breitegger:
Ja, das war auch sehr dramatisch. Es hat ja damals diese psychologische Betreuung, die du heute bekommst in so einem Fall, noch nicht so gegeben, wie es es jetzt derzeit gibt. Und der Reinhard Bierbaum erzählt, er hat zwar mit einem Vorgesetzten, der geschult war, speziell geschult war, sprechen können, aber das war es. Dann hat er normal Dienst gemacht, das war all die Jahre nichts, das war so ein Verdrängungseffekt. Er musste einfach Dienst machen, aber funktionieren und du verdrängst natürlich die Tat dann mit der Zeit. Aber er hat dann im Laufe der Jahre zunehmend Probleme gekriegt. Es ist immer ärger geworden vor der Pension. In der Pension dann noch ärger, weil mittlerweile ist er in Pension. Gehörsturz, Bluthochdruck, nicht schlafen können in der Nacht. Er konnte kaum noch gehen, hat er mal gesagt. Schwindelattacken. Typische Schwindelattacken, typische Anzeichen für ein posttraumatisches Belastungssyndrom. Dann hat er sich dazu entschlossen, sich in eine Klinik einweisen zu lassen. Er hat gesagt, es ist nicht mehr gegangen. Dort war er mehrere Wochen und dann ist er nach Radegund auf Reha gekommen und hat auch dort eine Psychologin zur Verfügung gestellt bekommen. Diese Psychologin, mit der hat er das aufgearbeitet, alles was ihn da belastet hat. Auch diese Tat selber, es hat ja andere Dinge auch gegeben. Aber vor allem die Tat war belastend. Und das hat er aufgearbeitet. Er hat sich recht gut gefühlt und wollte schlafen gehen. Er hat sich ins Bett gelegt. Und er sagt, er war kurz vor dem Einschlafen. Und auf einmal hat er diesen Kracher, diesen Schuss aus dem Kaufhaus, aus dem 38er Spezial. Der Täter hat ja mit einem Revolver 38er Spezial geschossen. Das klingt anders als eine Pistole. Diesen Schuss hat er gehört. Das war so real, er ist aufgesprungen und hat geglaubt, er ist im Kaufhaus. Das ist ein richtiges Flashback. Es war ein richtiger Flashback. Er war in diesem Moment plötzlich wieder präsent. Er war mitten in der Tat, die Tat war präsent. Ja, und seitdem hat er nie mehr was gehabt und das geht ihm gut.
David Knes:
Ja, schön zu hören, dass er das jetzt überwunden hat, auch wenn das Jahre gedauert hat. Aber er zeigt die Notwendigkeit, dass man eben diese Sachen einfach nicht verdrängen sollte. Er hat nur noch ein unangenehmes Erlebnis später, weil er im Kaufhaus dann plötzlich dem Täter gegenübergestanden ist beim Einkaufen. Der Täter ist ja mittlerweile frei, aber auf das kommen wir noch. Aber kommen wir zuerst noch, wie es mit dem Täter damals weiterging. Er kam dann vor Gericht und ich nehme an, dass die Sache relativ klar war. Die Sache war relativ klar. Es war, der Staatsanwalt, du hast es ja schon erwähnt, hat von einer Hinrichtung gesprochen. Es war eindeutig ein Schuldspruch, ein einstimmiger Schuldspruch der Geschworenen. Das Urteil hat gelautet, lebenslang. Er ist dann tatsächlich ziemlich lange im Gefängnis gesessen. Ich dürfte erst jetzt, wann er genau freigekommen ist, das habe ich nicht erinnern können. Aber er ist frei mittlerweile. Und jetzt komme ich auf das, was ich vorhin erwähnt habe. Der Reinhard Bierbauer erzählt mir, er war mit seiner Frau einkaufen in einem Supermarkt und plötzlich steht vor ihm der Mörder von Albert. Er hat ihn sofort wiedererkannt. Er hat ihn sofort wiedererkannt. Er hat gesagt, er war richtig entsetzt. Er hat einen Schock gehabt am Kleinen und er hat sich umgedreht und musste weg. Und seine Frau hat das mitgekriegt, die hat den Mörder nicht gekannt und sagt dann später zu ihm, wieso bist du so aufgeregt, wieso bist du da so sofort weggegangen von mir? Und dann hat er das erzählt. Und der Täter wohnt jetzt in der Leibnitzer Gegend in einem betreuten Wohnen. Ja Hans, danke, dass du uns den letzten Fall in deinem Buch mitgebracht hast. Es war nicht nur der letzte Fall in meinem Buch, sondern es war definitiv der letzte. Ja, der letzte Gendarm, der getötet worden ist, weil es gab ja dann kurz darauf die Gendarmerie nicht mehr. Es ist einer von vielen, vielen Fällen in deinem Buch Gendarmenmorde in der Steiermark seit 1880 bei Kuiper erschienen ist das. Wo kriegt man das Buch, wenn man das jetzt lesen möchte? Das gibt es in allen Buchhandlungen, kostet 21 Euro. Euch sage ich vielen Dank fürs Dabeisein bei Delikt und wir freuen uns, wenn ihr auch das nächste Mal eure Podcast-Apps wieder aufruft und dabei seid bei Delikt und danke dir Hans. Gerne, danke für die Einladung.