delikt – Wahre Verbrechen aus Österreichs Süden

Lautlose Schüsse und ein bizarres Motiv

Episode Summary

Zwei 19-jährige Frauen brechen plötzlich zusammen – getroffen von fast laustlosen Schüssen aus einem fahrenden Auto. Beide überleben. Schnell ist klar, dass die Tat mit einem Mord an einem 15-Jährigen zusammenhängt.

Episode Notes

Zwei 19-jährige Frauen brechen plötzlich zusammen – getroffen von fast laustlosen Schüssen aus einem fahrenden Auto. Beide überleben. Schnell ist klar, dass die Tat mit einem Mord an einem 15-Jährigen zusammenhängt.

Episode Transcription

David Knes:
Dezember 1967 in Wolfsberg im Schwarzatal: Zwei 19-jährige Frauen spazieren von einem Kinobesuch nach Hause. Plötzlich fallen fast lautlos zwei Schüsse. Schwer verletzt retten sich die beiden ins nächstgelegene Haus. Doch sie sind nicht die einzigen Opfer des 23-jährigen Täters.

Und damit herzlich willkommen bei Delikt, dem Kriminalpodcast der Kleinen Zeitung mit Fällen aus der Steiermark und aus Kärnten. Mein Name ist David Knes, ich bin Redakteur und der Host des Podcasts. Und hier an meiner Seite ist Hans Breitegger, der langjährige Kriminalreporter der Kleinen Zeitung. Grüß dich, Hans.

Hans Breitegger:
Servus.

David Knes:
Hans, das ist auch schon ein älterer Fall. Ich habe es schon erwähnt: Er geht zurück ins Jahr 1967. Wie bist du denn darauf gestoßen?

Hans Breitegger:
Nachdem ich 2001 mein erstes Buch geschrieben habe, Die großen Kriminalfälle der Steiermark, hat mir ein pensionierter Bezirkspostenkommandant geschrieben und mich auf weitere Fälle aufmerksam gemacht. Darunter auch auf einen Mordfall in Slowenien. Dabei kommt der Name Franz K. vor.

Ich habe ihn dann angerufen, und er hat mir erzählt, dass dieser Franz K. auch zwei Mädchen in Wolfsberg im Schwarzatal angeschossen hat. Darauf kommen wir jetzt. Ich habe mich dann intensiver mit dieser Person auseinandergesetzt und alte Zeitungsausschnitte herausgesucht. Das war relativ einfach. Schwieriger war dann das weitere Verfahren: Anklage, Nicht-Anklage – das war schwer zu eruieren. Aber darauf kommen wir später noch.

David Knes:
Da bist du diesmal tief in die Archive eingetaucht. Aber gehen wir zuerst zurück zum Tag der ersten Tat, über die wir heute sprechen: zu den Schüssen auf die beiden damals 19-jährigen Frauen. Beide haben zum Glück überlebt. Eine von ihnen wird auch gleich selbst zu Wort kommen. Wir haben sie für ein Interview besucht, das spielen wir jetzt ein.

Zuvor noch eine kurze Beschreibung des Ortes: Wolfsberg im Schwarzatal liegt im Bezirk Leibnitz, sehr ländlich. Von Graz braucht man ungefähr eine Dreiviertelstunde mit dem Auto. Als wir dort ausgestiegen sind – es war im Jänner und noch schneebedeckt – merkt man sofort, wie ländlich es dort ist. Und einen Steinwurf vom damaligen Tatort entfernt haben wir Brigitta Senekovic besucht. Sie kann sich noch sehr lebhaft an diesen Dezembertag im Jahr 1967 erinnern. Hören wir hinein – beziehungsweise schauen wir es uns an. Die heutige Folge gibt es auch wieder als Video.

Hans Breitegger:
Ja, also ihr seid damals vom Kino heimgegangen. Ihr wart in Wolfsberg im Kino. Und dann ist er …

Hans Breitegger:
Ist euch der Täter entgegengekommen?

Brigitta Senekovic:
Nein, er ist hinter uns nachgefahren.

Hans Breitegger:
Also von hinten nachgefahren.

Brigitta Senekovic:
Ja. Und dann ist er stehen geblieben. Ich habe damals gedacht, das sei jemand, der uns mitnehmen wollte. Der Thomas Elpel hatte damals denselben Fiat, einen 1500er Fiat. Ich habe geglaubt, das ist er. Und auf einmal hat er mich im Bauch getroffen und meine Freundin in der Hand.

Hans Breitegger:
Der hat also aus dem Auto heraus geschossen.

Brigitta Senekovic:
Ja. Der hatte sich einen Schalldämpfer selbst gebastelt. Wir haben eigentlich keinen Schuss gehört. Dann ist er weitergefahren und wir sind zurückgegangen. Dass ich mich heute noch so gut erinnern kann, ist eigentlich unvorstellbar.

Dann sind wir zu dem Haus gekommen – beim Graf hat das damals geheißen. Dort bin ich neben der Mauer gestanden. Und dann ist er ganz langsam zurückgefahren. Ich habe mir gedacht: Wer war das? Dann ist er weitergefahren, hat umgedreht und ist zurückgekommen. Er hat uns eigentlich gesucht. Er ist sogar einmal stehen geblieben und dann wieder ganz langsam zurückgefahren. Ich bin an der Mauer gestanden und habe mir gedacht: Wer war das?

David Knes:
War Ihnen sofort klar, dass das ein Schuss war?

Brigitta Senekovic:
Nein, gar nicht.

David Knes:
Was haben Sie zuerst gedacht?

Brigitta Senekovic:
Gar nichts. Ich habe gar nichts gespürt. Ich hatte einen dicken Mantel an. Dann ist die Frau aus dem Haus herausgekommen und hat gesagt: „Komm rein.“ Und wie ich meinen Mantel dann aufgemacht habe, ist das Blut herausgekommen. Ich hatte einen Durchschuss.

David Knes:
Und das war eigentlich Ihr Glück?

Brigitta Senekovic:
Ja, dass da gleich ein Haus war. Wäre da kein Haus gewesen oder wäre er zurückgekommen … Das muss man schon so sehen.

Hans Breitegger:
Ihr seid dann beide ins Krankenhaus gekommen, oder?

Brigitta Senekovic:
Ja.

Hans Breitegger:
Habt ihr heute noch Kontakt, ihr zwei?

Brigitta Senekovic:
Ja, ja.

Hans Breitegger:
Und redet ihr noch über die Geschichte?

Brigitta Senekovic:
Nein.

Hans Breitegger:
Gar nicht?

Brigitta Senekovic:
Nein, das ist erledigt. Ich kann schon darüber reden, aber nicht jeder kann das.

David Knes:
Sie sind also von Anfang an vergleichsweise gut damit klargekommen?

Brigitta Senekovic:
Ich weiß nicht – ich hatte danach nicht wirklich Angst. Ich bin sowieso kein ängstlicher Mensch. Meine Eltern waren besorgter. Ich bin ja schon vor Weihnachten wieder aus dem Krankenhaus heimgekommen. Und zu Silvester wollte ich schon wieder ausgehen – durfte ich aber nicht. Heute verstehe ich das, damals nicht.

Ich bin notoperiert worden. Im Krankenhaus war es dann fast schon lustig. Wir hatten jeden Tag Besuch, aber wir kannten die Leute gar nicht. Ich habe gedacht, das sind Bekannte von meiner Freundin, und sie hat gedacht, das sind meine Bekannten. In Wirklichkeit kannten wir niemanden.

Hans Breitegger:
Das waren wahrscheinlich Zeitungsleute und Fotografen.

Brigitta Senekovic:
Ja, genau. Das habe ich jetzt erst wieder gesehen. Zum ersten Mal.

Hans Breitegger:
Ich kann Ihnen das Foto schicken.

Brigitta Senekovic:
Nein, ich brauche das nicht.

Im Krankenhaus war es trotzdem irgendwie kurios. Meine Freundin hat dort sogar ihren späteren Mann kennengelernt.

David Knes:
Ist körperlich danach alles wieder in Ordnung gekommen?

Brigitta Senekovic:
Ja, großteils schon. Aber als ich später mein Kind bekommen habe, bin ich fast gestorben. Ich hatte eine schwere Vergiftung, weil ich nur mehr eine Niere hatte. Das war schon eine Folge der ganzen Geschichte.

Hans Breitegger:
Bemerkenswert ist ja auch, dass Sie sich in so einer Situation überhaupt das Kennzeichen merken konnten.

Brigitta Senekovic:
Ja, warum ich mir das gemerkt habe, weiß ich auch nicht.

Hans Breitegger:
Hatten Sie das ganze Kennzeichen?

Brigitta Senekovic:
Ja.

David Knes:
Hier gehört haben wir die damals 19-jährige Brigitta Großschädel – heute heißt sie Senekovic –, die auf diese sehr dramatischen Ereignisse heute mit einer guten Portion Humor zurückblickt, oder?

Hans Breitegger:
Ja, ich hatte beim Gespräch den Eindruck, dass sie das heute überhaupt nicht mehr stark berührt. Es ist sehr weit weg für sie. Und es wird schon so sein, dass sie das damals gar nicht so dramatisch wahrgenommen hat.

David Knes:
Man ist in so einem Moment wahrscheinlich auch im Schock.

Hans Breitegger:
Erstens im Schock. Und zweitens denke ich mir als Außenstehender: Wenn der da umdreht und zurückfährt – warum fährt er zurück? Er will ja seine Tat vollenden. Er wird wahrscheinlich gesehen haben, dass die Mädchen flüchten. Und wir kommen ja später noch auf einen Mord in Slowenien zurück. Ich glaube schon, dass er darauf aus war, sie umzubringen. Und das hätte er wahrscheinlich auch gemacht, wenn sie nicht ins Haus hineingekommen wären.

David Knes:
Das hat ihnen wohl das Leben gerettet – dass sie eben zu der Familie Graf flüchten konnten.

Hans Breitegger:
Ja, das war, glaube ich, eine Bauernfamilie, die Graf geheißen hat.

David Knes:
Die hat dann auch gleich die Einsatzkräfte gerufen. So ist für die beiden letztlich alles noch vergleichsweise glimpflich ausgegangen – wobei ein Nierendurchschuss und spätere Probleme in der Schwangerschaft natürlich schwere Folgen sind.

Etwas Bemerkenswertes ist auch: Brigitta Senekovic konnte sich das Kennzeichen merken und sagte es der Gendarmerie. Wie ist diese mit den Informationen umgegangen?

Hans Breitegger:
Die Gendarmerie hat sofort eine Fahndung eingeleitet. Franz K. wohnte in einem Neubau, der noch nicht fertig war. Dort hatte er auch eine Werkstätte eingerichtet, in der diese Schalldämpfer gebastelt wurden. Die Beamten warteten dort bereits. Als er nach Hause kam, klickten die Handschellen.

Er wurde verhört und dann in die Arrestzelle gesetzt. Dort hat er sich in der Nacht erhängt. Viele offene Fragen konnten deshalb nie mehr geklärt werden.

David Knes:
Zuvor hat er gegenüber den Beamten aber noch über die Tat gesprochen und nicht bestritten, dass er geschossen hat.

Hans Breitegger:
Nein, bestritten hat er es nicht. Er sprach von einem „Unfall“, davon, dass er zufällig getroffen habe. Aber so war es nicht. Es waren gezielte Schüsse, wie sich später herausstellte.

Bei ihm zu Hause wurde dann eine Hausdurchsuchung gemacht. Dabei fand man zwei Repetierpistolen, beide mit selbst gebastelten Schalldämpfern. Auf diese Schalldämpfer kommen wir noch zurück, denn sie waren letztlich auch das Motiv. Die Waffen wurden kriminaltechnisch untersucht und mit Projektilen verglichen, die aus einem Mordfall in Slowenien stammten. Auch darauf kommen wir gleich.

David Knes:
Was auch früh klar war: Es gab eine besondere Verbindung zwischen Franz K. und seinem Vater. Die beiden waren schon früher gemeinsam angezeigt beziehungsweise verurteilt worden – unter anderem wegen Wilderei.

Hans Breitegger:
Das war Jahre davor. Sie wurden wegen Einbrüchen und wegen Wilderei verurteilt. Die Wilderei lief so ab: Zur Tarnung hatten sie ein Modellflugzeug dabei, das sie über die Felder fliegen ließen. Falls sie gesehen worden wären, hätten sie sagen können, sie seien nur Modellflieger. In Wahrheit hatten sie das Jagdgewehr im Auto und gingen damit auf Niederwild. Auch diese Waffe war mit einem Schalldämpfer versehen, sodass man die Schüsse kaum hören konnte.

David Knes:
Bleiben wir bei den Waffen. In den Archivartikeln stand auch, dass Nachbarn berichteten, die beiden hätten immer wieder Schießübungen gemacht. Sie sollen einen gewissen Stolz auf ihre Waffen gehabt und regelmäßig Experimente durchgeführt haben. Daraus ergibt sich letztlich auch das Motiv für die Tat. Sprechen wir darüber.

Hans Breitegger:
Das Motiv war im Grunde sehr simpel: Sie haben Schalldämpfer hergestellt und wollten diese im großen Stil verkaufen – an Geheimdienste. Das war meiner Meinung nach völlig absurd, weil Geheimdienste natürlich längst entsprechend ausgerüstet waren. Aber sie witterten das große Geschäft.

Für diese Schüsse auf die Frauen wollte der Sohn testen, wie laut beziehungsweise wie verlässlich diese Schalldämpfer sind. Und er hatte das offenbar auch schon vorher getan. Also: Das Motiv war ein Test dieser Schalldämpfer.

David Knes:
Aber warum auf lebende Menschen? Das konnte wahrscheinlich nicht geklärt werden, weil er sich in der Zelle das Leben genommen hat. Aber warum ausgerechnet auf Menschen? Hast du dazu eine Vermutung?

Hans Breitegger:
Verifizieren konnte man das nie. Erst später sagte der Vater etwas zu diesem Motiv aus. Vorher wusste man davon nichts.

David Knes:
Und aus deiner Perspektive als Kriminalreporter: Würdest du sagen, da könnte auch Mordlust eine Rolle gespielt haben?

Hans Breitegger:
Das kann ich nicht beurteilen. Aber wenn ich auf einen Menschen schieße, muss ich zumindest in Kauf nehmen, dass ich ihn töte. Man kann keinen Schalldämpfer an lebenden Menschen „testen“, ohne dieses Risiko bewusst einzugehen. Brigitta Senekovic hat mit viel Glück überlebt. Ein Nierendurchschuss kann tödlich sein. Das ist völlig unkontrollierbar. Wenn ich auf einen Menschen schieße, dann nehme ich seinen Tod zumindest billigend in Kauf.

David Knes:
Wir haben jetzt schon diese andere Tat angesprochen. Sie hat sich in der Nähe von Maribor, also nahe der slowenischen Grenze, abgespielt – ein paar Monate davor, im August 1967. Was ist da passiert?

Hans Breitegger:
Das war am 15. August 1967. Eine Gruppe von Menschen war in der Kirche und ging danach zu Fuß nach Hause. Unter ihnen war auch der Vater des späteren Opfers. Der 15-jährige Drago Salettinger fuhr ebenfalls von der Kirche heim, mit dem Fahrrad.

Ein Auto überholte ihn – so sagten es die Zeugen. Einer stieg aus dem Fahrzeug aus, schoss auf Drago Salettinger, und der stürzte vom Fahrrad. Er war sofort tot. Die Obduktion ergab, dass ihn fünf Schüsse getroffen hatten. Die Projektile wurden gesichert und sollten später eine wesentliche Rolle spielen.

Die Zeugen sagten übereinstimmend aus, dass es ein Fiat 1500 mit steirischem Kennzeichen gewesen sei. Die genaue Nummer konnten sie nicht nennen, aber sie sprachen von einem steirischen Kennzeichen. Die slowenischen Behörden informierten daraufhin die österreichischen Ermittler, weil möglicherweise ein österreichisches Fahrzeug und steirische Täter beteiligt waren.

Dann geschah die Schießerei in Wolfsberg im Schwarzatal. Auch hier: Fiat 1500, steirisches Kennzeichen. Nun hatte man plötzlich einen Fahrzeughalter – Franz K. –, der sich in derselben Nacht in der Zelle erhängt hatte. Bei der Hausdurchsuchung fand man zwei Repetierpistolen mit Schalldämpfern. Also: Fiat 1500, steirisches Kennzeichen, Schüsse, Waffen – das passte zusammen.

Die steirischen Ermittler ließen die Projektile aus Maribor anfordern. Kriminaltechnisch wurde dann festgestellt, dass mit einer Waffe des Franz K. auf Drago Salettinger geschossen worden war. Man hatte also die Tatwaffe.

Befragen konnte man Franz K. dazu nicht mehr. Weil Zeugen immer wieder behauptet hatten, im Auto seien zwei Männer gewesen – einer als Schütze, einer am Steuer –, geriet der Vater unter Verdacht.

David Knes:
Naheliegend war das schon, weil diese Schalldämpfer ja ein Vater-Sohn-Projekt waren. Und sie waren ja, wie wir schon erwähnt haben, auch früher gemeinsam verurteilt worden.

Hans Breitegger:
Richtig. Vater und Sohn bastelten gemeinsam an diesen Schalldämpfern und wollten sie verkaufen. Sie waren regelrecht besessen von der Vorstellung, daraus ein großes Geschäft zu machen. Das geht auch aus den Akten der Staatsanwaltschaft hervor.

Der Vater wurde etwa 14 Tage später verhaftet. Es gab Verdachtsmomente, und er gab zu, mit dem Sohn in Slowenien gewesen zu sein. Dort hätten sie zu Mittag gegessen, dann sei der Sohn eine Zeit lang weg gewesen und später gut aufgelegt zurückgekommen. Der Vater meinte, er habe geglaubt, der Sohn stehe unter Drogen, weil er gewusst habe, dass dieser fallweise LSD nehme.

Später sagte der Vater, der Sohn habe für einen Bekannten in Marburg stumpfe Messer schleifen oder reparieren sollen. Diese Messer habe er mitgehabt. Als sie zurückkamen, habe der Sohn gesagt, der Besitzer sei nicht zu Hause gewesen. Die Messer hätten sie dann verstecken wollen. Dabei sei ihnen der Radfahrer begegnet. Der Vater behauptete, er selbst sei im Auto sitzen geblieben und habe nur im Rückspiegel gesehen, wie der Radfahrer stürzte. Einen Schuss habe er nicht gehört.

David Knes:
Es gab also mehrere, teils widersprüchliche Aussagen des Vaters.

Hans Breitegger:
Ja, sehr verwirrende und unterschiedliche Aussagen. Gerade deshalb kam er in Untersuchungshaft. Denn wenn er zugab, im Auto gesessen zu sein, konnte das als Beihilfe zum Mord gewertet werden – vor allem, wenn er wusste, dass der Sohn Waffen dabeihatte.

In der Haft änderte er seine Aussagen wieder, schwächte Varianten ab, stellte manches anders dar. Faktum ist aber: Es stellte sich später heraus, dass er zum Zeitpunkt der Tat in Slowenien nicht mehr dort war. Er war nach Österreich zurückgefahren, hatte seine Ex-Frau besucht, die in einem Lokal arbeitete, und war danach zu einer Bekannten gefahren, bei der er die Nacht verbrachte. Diese Angaben bestätigten sich.

David Knes:
Damit war für die Ermittler klar, dass er bei der Tat in Slowenien nicht dabei war.

Hans Breitegger:
Genau. Dazu kam noch etwas anderes: Der Vater des Opfers behauptete, er habe nur einen Mann im Auto gesehen. Eine andere Zeugin sprach später sogar von einer möglichen Frau. Andere Zeugen wiederum sagten, es seien zwei Männer gewesen. Den Vater konnte man aber letztlich nicht als Beteiligten nachweisen. Im Gegenteil: Immer mehr Ermittlungen entlasteten ihn.

Ich habe dazu einen Bericht der Staatsanwaltschaft an die Oberstaatsanwaltschaft gefunden. Daraus geht eindeutig hervor, dass er durch die Aussagen und Ermittlungen entlastet wurde. Trotzdem saß er rund ein halbes Jahr in Untersuchungshaft.

Im Zuge der Ermittlungen zog man dann noch ein weiteres Verbrechen heran: Am 29. September 1964 war bei Ehrenhausen beziehungsweise im Raum Bruck ein Mann erschossen worden. Auch dort spielte ein Auto eine Rolle, auch dort wurde mit Schalldämpfer geschossen. Und weil Vater und Sohn schon Jahre davor begonnen hatten, Schalldämpfer zu bauen, rückten sie auch in diesem Fall in den Fokus. Zudem stammten die beiden sichergestellten Waffen aus einem Einbruch in ein Waffengeschäft in Bruck.

All das wirkte zunächst sehr belastend. Die Staatsanwaltschaft Graz zog auch die Akten aus Leoben bei. Aber am Ende konnte man dem Vater nichts nachweisen. Er war zum Tatzeitpunkt in Slowenien offenbar nicht dabei, bei dem älteren Fall passte die Personenbeschreibung nicht, und auch sonst ließ sich ihm kein strafbares Verhalten konkret zuordnen.

Die Staatsanwaltschaft teilte der Oberstaatsanwaltschaft schließlich mit, dass das Verfahren gegen ihn eingestellt werde. Die anderen Verfahren – also Maribor, der ältere Fall und auch der Waffeneinbruch – wurden in Richtung unbekannte Täter eingestellt beziehungsweise abgebrochen.

Wobei man schon sagen muss: Dass Franz K. junior in diese Taten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit involviert war, steht aus meiner Sicht außer Frage. Aber es ging immer um einen möglichen zweiten Täter. Und den konnte man nie eindeutig identifizieren.

Ich habe nichts gefunden, was darauf hindeutet, dass es gegen den Vater jemals zu einer Hauptverhandlung wegen des Mordes in Slowenien, des älteren Falls oder der Schießerei in Wolfsberg gekommen wäre. Daher gehe ich davon aus, dass das Verfahren tatsächlich eingestellt wurde.

David Knes:
Und damit haben wir, glaube ich, alles erzählt, was es zu diesem Fall zu erzählen gibt. Danke, dass du so tief in die Archive gegangen bist und da wirklich noch einiges Interessantes ausgegraben hast.

Danke auch euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer beziehungsweise Zuschauerinnen und Zuschauer, fürs Dabeisein. Wir sind diesmal, wie gesagt, auch auf Video zu sehen – auf Spotify und YouTube. Wenn technisch alles funktioniert, sollte das diesmal auch problemlos klappen.

Vielen Dank fürs Dabeisein bei Delikt. Wir freuen uns über positive Bewertungen oder Rezensionen – zum Beispiel auf Apple Podcasts. Auf Spotify könnt ihr unsere Folgen auch kommentieren.

Ihr könnt mir natürlich auch Nachrichten schreiben: an david.knes@kleinezeitung.at.

Ich sage danke und bis zum nächsten Mal. Danke, Hans, und ciao.